
Fragenkatalog internes Audit: 60 Auditfragen nach ISO 9001 mit Nachweisen
Kurz erklärt
Der Fragenkatalog für das interne Audit ist die Liste der Auditfragen, mit denen der Auditor prüft, ob ein Prozess die Anforderungen erfüllt, meist die der ISO 9001. Gut ist ein Katalog dann, wenn er zu jeder Frage sagt, welchen Nachweis man sich zeigen lässt. Einen festen Fragenkatalog schreibt die ISO 9001 nicht vor. Sie verlangt Auditkriterien und einen festgelegten Umfang für jedes Audit (Abschnitt 9.2.2).
Wer zum ersten Mal intern auditiert, sucht meist zuerst nach einer Liste mit Fragen. Davon gibt es viele, oft ohne Bezug zur Norm und ohne Hinweis, was man sich als Beleg zeigen lassen soll. Hier sind 60 Fragen, sortiert nach den Kapiteln 4 bis 10 der ISO 9001. Jede mit Normabschnitt und dem Nachweis, den Sie sich zeigen lassen können. Außerdem finden Sie Fragen für Gespräche am Arbeitsplatz und ein durchgespieltes Beispiel, an dem man sieht, wie aus einer freundlichen Antwort eine Abweichung wird. Alles steht auch in der kostenlosen Excel-Vorlage.
Inhalt
- Was ist ein Fragenkatalog?
- Aufbau eines guten Fragenkatalogs
- 60 Auditfragen nach ISO 9001
- Fragen am Arbeitsplatz
- Richtig fragen im Audit
- Beispiel: von der Frage zur Feststellung
- Antworten bewerten
- Katalog an Ihre Prozesse anpassen
- ISO 9001:2026 und Fragenkatalog
- Kostenlose Excel-Vorlage
- Interne Audits digital
- Häufige Fragen
Was ist ein Fragenkatalog für das interne Audit?
Der Fragenkatalog ist das Arbeitspapier des Auditors. Er legt fest, was im Audit angesprochen wird, und sorgt dafür, dass nichts Wichtiges vergessen wird. Im Gespräch selbst ist er ein Leitfaden. Gute Auditoren fragen nach, wenn eine Antwort etwas Interessantes andeutet, auch wenn das nicht auf der Liste steht.
Die ISO 9001 schreibt keinen bestimmten Fragenkatalog vor. Abschnitt 9.2 verlangt interne Audits in geplanten Abständen und ein Auditprogramm. Das Werkzeug wählen Sie selbst. Ein Katalog macht das Audit nachvollziehbar, und ein Zertifizierungsauditor sieht daran schnell, was geprüft wurde. Wann welcher Prozess drankommt, steht im Auditprogramm. Wie Sie das aufbauen, zeigt der Beitrag Auditplanung.
So ist ein brauchbarer Fragenkatalog aufgebaut
Eine Frage wie „Gibt es eine Qualitätspolitik?“ lässt sich mit Ja beantworten, und das Audit ist an dieser Stelle vorbei, ohne dass etwas geprüft wurde. Brauchbar wird der Katalog erst, wenn zu jeder Frage drei Dinge gehören:
- der Normabschnitt als Auditkriterium, damit klar ist, wogegen geprüft wird
- der objektive Nachweis, den Sie sich zeigen lassen: ein Dokument, eine Aufzeichnung, eine Beobachtung am Arbeitsplatz oder eine Stichprobe
- Platz für das Ergebnis: konform, Abweichung, Beobachtung oder nicht anwendbar, dazu eine kurze Notiz, was Sie gesehen haben
Formulieren Sie die Fragen offen. „Wie stellen Sie sicher, dass ...“ bringt mehr als „Haben Sie ...?“, weil der Befragte erklären muss, wie es wirklich läuft. Eine Verfahrensanweisung beweist noch nicht, dass danach gearbeitet wird. Deshalb gehören zu vielen Fragen eine Stichprobe oder ein Blick in die Fertigung.
60 Auditfragen nach ISO 9001 mit Nachweisen
Die Abschnittsnummern beziehen sich auf die ISO 9001:2015 einschließlich der Änderung von 2024, nach der die meisten Unternehmen derzeit zertifiziert sind. Was sich mit der neuen Ausgabe ändert, lesen Sie weiter unten. Wählen Sie für jedes Audit die Fragen aus, die zum Umfang passen. Niemand stellt in einem Prozessaudit alle 60.
Kapitel 4: Kontext der Organisation
| Abschnitt | Auditfrage | Möglicher Nachweis |
|---|---|---|
| 4.1 | Welche internen und externen Themen beeinflussen Ihr Qualitätsmanagement, gehört der Klimawandel dazu, und wann haben Sie die Themen zuletzt überprüft? | Liste oder Analyse der Themen (z. B. SWOT) mit Datum und Bewertung des Klimawandels, Protokoll der Managementbewertung |
| 4.2 | Wer sind Ihre interessierten Parteien, und welche ihrer Anforderungen sind für das QM relevant? | Übersicht der interessierten Parteien und Anforderungen, Bezug zu Verträgen und Gesetzen |
| 4.3 | Wie ist der Anwendungsbereich des QM-Systems festgelegt, und welche Anforderungen sind nicht anwendbar? | Dokumentierter Anwendungsbereich mit Standorten und Produkten, Begründung für nicht anwendbare Anforderungen |
| 4.4 | Welche Prozesse gehören zum QM-System, und wie hängen sie zusammen? | Prozesslandkarte, Prozessbeschreibungen mit Eingaben, Ergebnissen, Verantwortlichen und Kennzahlen |
| 4.4 | Woran erkennen Sie, dass ein Prozess die geplanten Ergebnisse erreicht? | Prozesskennzahlen mit Zielwerten, Auswertungen der letzten Monate |
Kapitel 5: Führung
| Abschnitt | Auditfrage | Möglicher Nachweis |
|---|---|---|
| 5.1 | Wie zeigt die Geschäftsführung, dass sie für die Wirksamkeit des QM-Systems Verantwortung übernimmt? | Protokolle von Managementbewertung und Qualitätsrunden, Freigaben, Ressourcenentscheidungen |
| 5.1.2 | Wie stellen Sie sicher, dass Kundenanforderungen und gesetzliche Anforderungen bekannt sind und erfüllt werden? | Kennzahlen zur Kundenzufriedenheit, Reklamationsauswertung, Rechtskataster oder Liste der Vorschriften |
| 5.2 | Wie wird die Qualitätspolitik bekannt gemacht, und können Mitarbeitende sie in eigenen Worten erklären? | Qualitätspolitik mit Datum und Freigabe, Aushang oder Intranet, Gespräche am Arbeitsplatz |
| 5.3 | Wer ist für welche Prozesse verantwortlich, und wo ist das festgelegt? | Organigramm, Stellenbeschreibungen, Verantwortlichkeitsmatrix |
| 5.3 | Wer berichtet der Geschäftsführung über die Leistung des QM-Systems, und wie oft? | Berichte an die Geschäftsführung, Protokolle, Termine der Managementbewertung |
Kapitel 6: Planung
| Abschnitt | Auditfrage | Möglicher Nachweis |
|---|---|---|
| 6.1 | Welche Risiken und Chancen haben Sie für Ihre Prozesse bestimmt, und welche Maßnahmen folgen daraus? | Risikobewertung oder Risikomatrix, Maßnahmenliste mit Verantwortlichen und Terminen |
| 6.1 | Wie prüfen Sie, ob die Maßnahmen zu Risiken und Chancen gewirkt haben? | Wirksamkeitsbewertung in der Managementbewertung, aktualisierte Risikobewertung |
| 6.2 | Welche Qualitätsziele gelten für dieses Jahr, und wie messen Sie sie? | Qualitätsziele mit Kennzahl, Zielwert, Termin und Verantwortlichem, aktueller Stand |
| 6.2 | Wie werden die Qualitätsziele auf Bereiche und Prozesse heruntergebrochen? | Bereichsziele, Zielvereinbarungen, Kennzahlentafeln in den Bereichen |
| 6.3 | Wie planen und steuern Sie Änderungen am QM-System, etwa neue Prozesse oder Standorte? | Änderungsantrag oder Projektplan, Risikobetrachtung, Freigabe der Änderung |
Kapitel 7: Unterstützung
| Abschnitt | Auditfrage | Möglicher Nachweis |
|---|---|---|
| 7.1.2 | Wie stellen Sie sicher, dass genug qualifiziertes Personal für die Prozesse da ist, auch bei Urlaub und Krankheit? | Personalplanung, Schichtpläne, Vertretungsregeln |
| 7.1.3 | Wie stellen Sie sicher, dass Gebäude, Maschinen und IT für die Prozesse geeignet sind? | Wartungspläne, Instandhaltungsaufträge, Störungsauswertung |
| 7.1.4 | Wie stellen Sie eine geeignete Arbeitsumgebung sicher, etwa Sauberkeit, Klima oder Beleuchtung? | Begehungsprotokolle, 5S-Audits, Messungen, wo nötig |
| 7.1.5 | Wie stellen Sie sicher, dass Überwachungs- und Messmittel für ihren Zweck geeignet sind und, wo nötig, kalibriert oder verifiziert werden? | Prüfmittelliste, Kalibrierscheine, Kennzeichnung am Messmittel, Stichprobe in der Fertigung |
| 7.1.5.2 | Wie bewerten Sie frühere Messergebnisse, wenn ein Messmittel bei der Kalibrierung außerhalb der Toleranz liegt? | Bewertung der betroffenen Prüfungen und Produkte, eingeleitete Maßnahmen |
| 7.1.6 | Wie sichern Sie Wissen, das für Ihre Prozesse wichtig ist, etwa wenn erfahrene Mitarbeitende gehen? | Wissensdatenbank, Einarbeitungspläne, Lessons Learned, Stellvertreterregelungen |
| 7.2 | Wie legen Sie fest, welche Kompetenz für eine Tätigkeit nötig ist? | Anforderungsprofile, Qualifikationsmatrix |
| 7.2 | Wie prüfen Sie, ob Schulungen gewirkt haben? | Schulungsnachweise mit Wirksamkeitsbewertung, Beobachtung am Arbeitsplatz, Fehlerquoten |
| 7.3 | Wissen die Mitarbeitenden, welchen Beitrag sie zur Qualität leisten und was passiert, wenn Vorgaben nicht eingehalten werden? | Gespräche am Arbeitsplatz, Unterweisungsnachweise, Aushänge |
| 7.4 | Wer informiert wen, wann und wie über qualitätsrelevante Themen? | Kommunikationsmatrix, Protokolle von Schichtübergaben und Teamrunden |
| 7.5 | Wie werden Dokumente erstellt, geprüft, freigegeben und aktualisiert? | Dokumentenlenkung, Freigabevermerke, Revisionsstand, Stichprobe: aktuelle Version am Arbeitsplatz |
| 7.5 | Wie schützen Sie Aufzeichnungen vor Verlust und unbefugter Änderung, und wie lange bewahren Sie sie auf? | Aufbewahrungsfristen, Zugriffsrechte, Datensicherung, Stichprobe einer alten Aufzeichnung |
Kapitel 8: Betrieb
| Abschnitt | Auditfrage | Möglicher Nachweis |
|---|---|---|
| 8.1 | Wie planen Sie die Prozesse für ein neues Produkt oder einen neuen Auftrag? | Arbeitspläne, Prüfpläne, Ressourcenplanung, Freigabekriterien |
| 8.2.1 | Wie gehen Kundenanfragen, Reklamationen und Rückmeldungen ein, und wer bearbeitet sie? | Kontaktwege, Ticket- oder Reklamationsliste, Bearbeitungszeiten |
| 8.2.2 | Wie legen Sie fest, welche Anforderungen ein Produkt erfüllen muss, auch gesetzliche? | Produktspezifikationen, Liste der zutreffenden Vorschriften |
| 8.2.3 | Wie prüfen Sie vor der Auftragsannahme, ob Sie die Anforderungen erfüllen können? | Vertragsprüfung oder Auftragsklärung mit Datum und Name, Klärung von Abweichungen zum Angebot |
| 8.2.4 | Wie werden geänderte Kundenanforderungen an alle Beteiligten weitergegeben? | Änderungsmitteilungen, aktualisierte Auftragsunterlagen, Stichprobe eines geänderten Auftrags |
| 8.3 | Wie läuft eine Entwicklung ab, von den Eingaben bis zur Freigabe? | Entwicklungsplan, Eingabeliste, Reviews, Verifizierung und Validierung, Freigabe |
| 8.3.6 | Wie werden Änderungen an Entwicklungen bewertet und freigegeben? | Änderungsprotokolle mit Bewertung der Auswirkungen und Freigabe |
| 8.4.1 | Nach welchen Kriterien wählen Sie Lieferanten aus und bewerten sie? | Bewertungskriterien, Lieferantenbewertungen, Freigabeliste |
| 8.4.2 | Wie überwachen Sie zugekaufte Produkte und Dienstleistungen? | Wareneingangsprüfung, Zeugnisse, Lieferantenkennzahlen, Lieferantenaudits |
| 8.4.3 | Welche Anforderungen geben Sie an Lieferanten weiter, und wie? | Bestellungen, Spezifikationen, Qualitätssicherungsvereinbarungen |
| 8.5.1 | Wie stellen Sie sicher, dass am Arbeitsplatz unter beherrschten Bedingungen gefertigt wird? | Arbeits- und Prüfanweisungen am Arbeitsplatz, Prozessparameter, Freigaben, Beobachtung |
| 8.5.1 | Wie werden Prozesse validiert, deren Ergebnis man nicht vollständig nachprüfen kann, zum Beispiel Schweißen oder Kleben? | Validierungsberichte, qualifizierte Bediener, überwachte Parameter |
| 8.5.2 | Wie können Sie ein Produkt bis zu Material, Charge oder Auftrag zurückverfolgen? | Stichprobe: ein Produkt rückwärts bis zum Wareneingang verfolgen |
| 8.5.3 | Wie gehen Sie mit Eigentum des Kunden um, etwa beigestelltem Material oder Kundendaten? | Kennzeichnung, Lagerung, Meldung von Verlust oder Beschädigung an den Kunden |
| 8.5.4 | Wie schützen Sie Produkte bei Lagerung, Transport und Verpackung? | Lagerbedingungen, Verpackungsvorgaben, Begehung von Lager und Versand |
| 8.5.5 | Welche Leistungen erbringen Sie nach der Lieferung, etwa Service oder Gewährleistung, und wie sind sie geregelt? | Serviceaufträge, Gewährleistungsfälle, Auswertung von Rücksendungen |
| 8.5.6 | Wie werden Änderungen in der Produktion überprüft, gelenkt und freigegeben? | Änderungsprotokolle, Freigaben nach Werkzeug- oder Materialwechsel |
| 8.6 | Wer gibt Produkte frei, und auf Grundlage welcher Prüfungen? | Prüfprotokolle, Freigabevermerke mit Name, Datum und Kriterium |
| 8.7 | Wie werden fehlerhafte Produkte gekennzeichnet, getrennt und bewertet? | Sperrlager oder Sperrbereich, Fehlerprotokolle, Entscheidungen zu Nacharbeit oder Verschrottung |
| 8.7 | Wer darf eine Sonderfreigabe erteilen, und wie wird sie dokumentiert? | Sonderfreigaben mit Begründung, Unterschrift, bei Bedarf Zustimmung des Kunden |
Kapitel 9: Bewertung der Leistung
| Abschnitt | Auditfrage | Möglicher Nachweis |
|---|---|---|
| 9.1.1 | Welche Kennzahlen werten Sie aus, und welche Entscheidungen folgen daraus? | Kennzahlenberichte, Protokolle mit Entscheidungen |
| 9.1.2 | Wie ermitteln Sie die Zufriedenheit Ihrer Kunden? | Kundenbefragungen, Reklamationsquote, Lieferantenbewertungen durch Kunden |
| 9.1.3 | Wie analysieren und bewerten Sie Daten aus Prozessen, Lieferanten und Reklamationen, und was leiten Sie daraus ab? | Datenanalysen, Trends, Pareto-Auswertungen |
| 9.2 | Wie planen Sie interne Audits, und nach welchen Kriterien legen Sie die Häufigkeit fest? | Auditprogramm mit Begründung der Häufigkeit, Auditpläne |
| 9.2 | Wie stellen Sie die Objektivität der Auditoren sicher, zum Beispiel dass niemand seine eigene Arbeit auditiert? | Zuordnung der Auditoren im Auditprogramm, Qualifikationsnachweise der Auditoren |
| 9.2 | Wie werden Feststellungen aus internen Audits verfolgt und abgeschlossen? | Auditberichte, Maßnahmenliste mit Status, Nachweis der Wirksamkeit |
| 9.3 | Wann fand die letzte Managementbewertung statt, und welche Themen wurden behandelt? | Protokoll der Managementbewertung mit allen geforderten Eingaben |
| 9.3 | Welche Entscheidungen und Maßnahmen hat die Managementbewertung ergeben, und wie ist der Stand? | Maßnahmenliste aus der Managementbewertung mit Status |
Kapitel 10: Verbesserung
| Abschnitt | Auditfrage | Möglicher Nachweis |
|---|---|---|
| 10.1 | Wo haben Sie im letzten Jahr Verbesserungen erreicht, und woran sieht man das? | Verbesserungsvorschläge, KVP-Projekte, Kennzahlenverlauf |
| 10.2 | Wie gehen Sie bei einer Nichtkonformität vor, von der Sofortmaßnahme bis zur Ursache? | Abweichungsberichte, Ursachenanalysen (z. B. 5-Why, Ishikawa), 8D-Berichte |
| 10.2 | Wie prüfen Sie, ob eine Korrekturmaßnahme gewirkt hat? | Wirksamkeitsprüfung mit Datum und Ergebnis, Wiederholungsfehler |
| 10.2 | Wie stellen Sie fest, ob ähnliche Fehler auch an anderer Stelle auftreten können? | Übertragung auf andere Produkte, Linien oder Standorte, aktualisierte FMEA |
| 10.3 | Wie fließen Ergebnisse aus Audits, Reklamationen und Kennzahlen in die fortlaufende Verbesserung ein? | Verbesserungsplan, Managementbewertung, umgesetzte Maßnahmen |
Fragen an Mitarbeitende am Arbeitsplatz
Ein großer Teil des Prozessaudits findet dort statt, wo gearbeitet wird, also an der Linie oder im Lager. Diese Fragen passen zu fast jedem Arbeitsplatz:
- Was ist Ihre Aufgabe, und wie gehen Sie dabei vor?
- Wo steht beschrieben, wie diese Tätigkeit gemacht wird? Zeigen Sie mir bitte die Anweisung.
- Woran erkennen Sie, dass Ihr Ergebnis in Ordnung ist?
- Was tun Sie, wenn ein Teil fehlerhaft ist oder eine Maschine ausfällt?
- Wie wurden Sie für diese Tätigkeit eingearbeitet oder geschult?
- Wo tragen Sie Prüfungen und Ergebnisse ein?
- Wen informieren Sie bei Problemen, und was passiert danach?
- Was würden Sie an diesem Ablauf verbessern?
Hören Sie zu und lassen Sie sich zeigen, was beschrieben wird. Wenn jemand eine Anweisung erst suchen muss oder eine ältere Version am Arbeitsplatz hängt, haben Sie eine Feststellung, auch wenn die Antwort im Gespräch gut klang. Was Mitarbeitende im Audit erwartet und wie sie sich verhalten sollten, steht im Beitrag Was ist ein Audit?
Richtig fragen im Audit
Im Gespräch helfen ein paar Gewohnheiten:
- Offene Fragen stellen: Wie, wer, wann, woran erkennen Sie. Geschlossene Fragen eignen sich zum Bestätigen am Ende.
- Mit „Zeigen Sie mir bitte ...“ kommen Sie am schnellsten zum Nachweis.
- Stichproben selbst wählen, zum Beispiel einen Auftrag aus der letzten Woche, statt sich das Vorzeigebeispiel geben zu lassen.
- Folgen Sie einer Spur, etwa von der Prüfung zum Messmittel oder vom Fehler zur Korrekturmaßnahme.
Mit „Warum“ sollten Sie vorsichtig sein. „Warum haben Sie das nicht gemacht?“ klingt nach Vorwurf, und der Befragte verteidigt sich, statt zu erklären. Neutral formuliert ist die Frage oft sinnvoll: „Was war der Grund, diesen Schritt hier anders zu machen?“
Kann jemand eine Frage nicht beantworten, ist das allein noch keine Abweichung. Fragen Sie, wo die Information steht oder wer sie hat, und prüfen Sie dort weiter. Eine Abweichung liegt vor, wenn eine Anforderung nachweislich nicht erfüllt ist, zum Beispiel weil die nötige Unterweisung fehlt oder ohne gültige Vorgabe gearbeitet wird.
Wie viele Stichproben Sie ziehen, richtet sich nach dem Risiko. Bei einem kritischen Prozess sehen Sie sich mehr Aufträge an als bei einem stabilen. Notieren Sie, welche Stichprobe Sie geprüft haben, damit die Feststellung später nachvollziehbar bleibt.
Beispiel: von der Frage zur Feststellung
Ein fiktives Prozessaudit in einer Fertigung zeigt, wie aus einer Frage eine belegte Feststellung wird. Der wichtige Moment kam, als der Auditor selbst nachsah.
| Schritt | Im Beispiel |
|---|---|
| Auditfrage | Wie stellen Sie sicher, dass Überwachungs- und Messmittel für ihren Zweck geeignet sind und, wo nötig, kalibriert oder verifiziert werden? (7.1.5) |
| Antwort | Alle Messmittel stehen in der Prüfmittelliste und werden jährlich kalibriert. Die Liste führt die Qualitätssicherung. |
| Geprüfter Nachweis | Prüfmittelliste angesehen, dann an Linie 2 fünf Messschieber in die Hand genommen. Zwei tragen eine Plakette mit abgelaufenem Datum, einer davon steht nicht in der Liste. |
| Auditkriterium | ISO 9001, Abschnitt 7.1.5.2: Messmittel in festgelegten Abständen kalibrieren oder verifizieren und so kennzeichnen, dass der Status erkennbar ist. Eigene Verfahrensanweisung Prüfmittelüberwachung. |
| Feststellung | Zwei von fünf geprüften Messschiebern an Linie 2 ohne gültige Kalibrierung, einer davon nicht erfasst. Mit beiden wurden in der laufenden Woche Teile geprüft. |
| Bewertung | Abweichung. Die festgelegte Prüfmittelüberwachung wurde nicht eingehalten, und es ist unklar, ob die damit geprüften Teile in Ordnung sind. |
| Maßnahmen | Sofort: Messschieber sperren, Teile der Woche mit kalibriertem Messmittel nachprüfen. Ursache klären, zum Beispiel wie Messmittel ohne Eintrag in die Linie kommen. Korrekturmaßnahme mit Verantwortlichem und Frist, dazu einen Termin für die Wirksamkeitsprüfung. |
Hätte der Auditor nur die Liste angesehen, wäre die Abweichung wohl unentdeckt geblieben. Die Antwort war ehrlich gemeint, sie stimmte nur nicht mit der Praxis überein.
Antworten bewerten: konform, Abweichung, Beobachtung
Für interne Audits reichen diese Kategorien. Legen Sie im Auditverfahren fest, was sie bei Ihnen bedeuten, damit alle Auditoren gleich bewerten.
| Ergebnis | Bedeutung | Folge |
|---|---|---|
| Konform | Anforderung erfüllt, Nachweis gesehen | keine |
| Abweichung | Anforderung nachweislich nicht erfüllt. Viele Unternehmen unterscheiden zwischen schwerwiegend und geringfügig. | Korrekturmaßnahme mit Ursachenanalyse, Verantwortlichem und Frist |
| Beobachtung | Anforderung erfüllt, aber mit Risiko oder Verbesserungspotenzial | Empfehlung, Entscheidung beim Prozessverantwortlichen |
| Nicht anwendbar | Frage passt nicht zum Prozess oder Umfang | Grund kurz notieren |
Verzichten Sie auf einen Gesamtprozentwert als Urteil über das QM-System. Eine einzige schwerwiegende Abweichung wiegt mehr als dreißig erfüllte Fragen, und ein Durchschnitt würde sie verstecken. Zählen Sie lieber Abweichungen und Beobachtungen und verfolgen Sie die Maßnahmen bis zum Abschluss. Die Excel-Vorlage zählt deshalb nur die Ergebnisse und rechnet keinen Prozentwert aus.
Den Fragenkatalog an Ihre Prozesse anpassen
Ein Katalog nach Normkapiteln eignet sich gut für ein Systemaudit. Bei einem Prozessaudit folgen Sie dem tatsächlichen Ablauf, Schritt für Schritt. Zu jedem Schritt stellen Sie drei Fragen: Was wird gemacht? Wer macht es? Woran sieht man, dass es richtig gemacht wurde? Die passenden Normabschnitte ordnen Sie danach zu.
Nicht jedes Audit muss alle Kapitel abdecken. Das Auditprogramm muss dafür sorgen, dass alle relevanten Prozesse und Anforderungen in risikobasiert festgelegten Abständen geprüft werden. Ergänzen Sie Fragen aus Kundenvorgaben und Branchenstandards. Wer an die Automobilindustrie liefert, arbeitet beim Prozessaudit meist mit den Fragen der VDA 6.3. Prüfen Führungskräfte jede Woche kurz an der Linie, ist das Layered Process Audit das bessere Format. Und beim Zulieferer hilft die Checkliste zum Lieferantenaudit.
Für die ISO 27001 taugt dieser Katalog nicht, die Informationssicherheit hat eigene Anforderungen und die Maßnahmen aus Anhang A.
Was ändert sich mit ISO 9001:2026?
Die neue Ausgabe ist im September 2026 erschienen. Bestehende Zertifikate nach ISO 9001:2015 müssen bis zum 30. September 2029 umgestellt sein. Die Grundstruktur mit den Kapiteln 4 bis 10 bleibt, interne Audits stehen weiter in Abschnitt 9.2. Die 60 Fragen hier sind der Ausgabe 2015 zugeordnet. Prüfen Sie Abschnittsnummern und Formulierungen gegen den neuen Normtext, bevor Sie nach ISO 9001:2026 auditieren, und schreiben Sie die Ausgabe in den Kopf der Checkliste.
Seit der Änderung von 2024 verlangt Abschnitt 4.1 der ISO 9001:2015 zu bestimmen, ob der Klimawandel für das QM-System ein relevantes Thema ist. In 4.2 weist eine Anmerkung darauf hin, dass interessierte Parteien Anforderungen zum Klimawandel haben können. Die Frage zu 4.1 in diesem Katalog berücksichtigt das bereits.
Kostenlose Excel-Vorlage: Fragenkatalog internes Audit
Alle 60 Fragen und die Fragen für den Arbeitsplatz stehen in der Vorlage. Zu jeder Frage gibt es Spalten für den geprüften Nachweis, das Ergebnis per Auswahlliste, die Feststellung, die Maßnahme, den Verantwortlichen und die Frist. Das Blatt „Auswertung“ zählt je Kapitel die Ergebnisse und zeigt, wie viele Fragen je Kapitel noch offen sind.
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Interne Audits digital durchführen
Digitalisieren Sie Ihre Vorlagen. Mit firstaudit wird aus dem Fragenkatalog eine Checkliste auf Tablet oder Smartphone, die auch offline in der Halle funktioniert. Das Foto vom abgelaufenen Messschieber machen Sie dort, wo Sie die Antwort bewerten. Den PDF-Bericht erzeugt die App aus der Checkliste, abtippen müssen Sie nichts mehr.
Ein Benutzer kann firstaudit dauerhaft kostenlos nutzen. Kalender, Zuweisung und Erinnerungen für die Auditplanung sind Teil der bezahlten Tarife. Maßnahmen zu Abweichungen verfolgen Sie ab dem Premium-Tarif, den Sie 14 Tage lang testen können.
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