Gemba Walk erklärt: Lean-Methode zur Prozessverbesserung vor Ort

Definition Gemba Walk

Die Methode Gemba Walk wurde von Taiichi Ohno, einem der Gründer des Toyota-Produktionssystems, etabliert und ist eng verwandt mit dem Konzept des „Business Management by Walking Around“ (MBWA).

Das Fundament des Gemba Walks ist das Prinzip „Genchi Genbutsu„, was sinnentsprechend „Gehe hin und schaue“ bedeutet. Es geht darum, die Probleme in Unternehmen und deren Abläufe offenkundig zu beobachten und zu analysieren. Im Kontext des Gemba Walks bezieht sich dieser Ort auf den Shop Floor, also den eigentlichen Ort, an dem die Arbeit stattfindet. Durch die Einbeziehung der Mitarbeiter in die Verbesserungsprozesse und die Möglichkeit, ihre Ideen und Vorschläge einzubringen, kann eine kontinuierliche Verbesserung der Effizienz und Qualität von Prozessen und Produkten erreicht werden.

Das Ziel des Gemba Walks ist es also, ineffiziente Abläufe zu erkennen und zu beseitigen, um eine kontinuierliche Verbesserung (Verbesserung KVP) des Unternehmens zu erreichen. Dazu gehört auch, dass Führungskräfte die Arbeitsplätze im Shop Floor besuchen und direkte Beobachtungen machen, um Verbesserungspotenzial zu identifizieren und Maßnahmen zur Verbesserung zu entwickeln.

Ziele des Gemba Walks

Für eine deutliche Verbesserung Ihrer Prozesse müssen Sie als Führungskraft bewusst durch die Produktionsfertigung gehen. Dort, am Ort des Geschehens, ist es wichtig, das Gespräch mit Mitarbeitern zu suchen, die direkt mit Ihrer Arbeit eine Wertschöpfung erzielen. Durch den Gemba Walk werden sowohl wertschöpfende Aktivitäten als auch Verschwendung unmittelbar im Prozess deutlich sichtbar. In der Fertigungsproduktion sind die Probleme direkt beobachtbar. Erst durch regelmäßige und aufmerksame Besuche können Sie die Prozesse verstehen sowie Ursachen für Problemstellungen erkennen – mit einer Audit Software lassen sich diese Rundgänge zusätzlich standortübergreifend auswerten, statt jeden Walk isoliert zu betrachten. Der Gemba Walk ist ein wichtiger Aspekt der Lean Management Philosophie. So wird bei den Rundgängen auf Optimierungspotenziale geachtet, die im Nachhinein Ressourcen sparen können. Denn gerade dort, wo die Wertschöpfung stattfindet, sollten die 3Ms vermieden werden. Diese stehen für Mura („Unausgeglichenheit“), Muri („Überlastung“) und Muda („Verschwendung“). Bei einem gesonderten Muda Walk oder Waste Walk wird besonders auf die Misswirtschaft geachtet.

Was versteht man unter Gemba Walk?

Wie führt man einen Gemba Walk durch?

Der Gemba Walk beginnt am Ort des Geschehens: der Fertigungsproduktion. Dort analysieren Sie alle Prozessabläufe und treten in Interaktion mit den Mitarbeitenden. So können Sie hautnah die Wertschöpfungsprozesse erleben und verstehen. Eine Gemba Walk Checkliste, idealerweise per Checklisten Software digital abgebildet, hilft dabei, strukturiert vorzugehen, Beobachtungen systematisch zu erfassen und keine relevanten Punkte zu übersehen. Wichtig ist ein freundliches Auftreten und die Versicherung, dass nicht die Mitarbeiter geprüft werden, sondern allein die Unternehmensabläufe vor Ort.

Versuchen Sie, wenn möglich Sofortmaßnahmen durchzuführen, um erste Hindernisse direkt zu überwinden. Hören Sie sich Ihre Mitarbeiter gezielt an und machen Sie sich zu allem Gesehenen und Gehörten Notizen. Nach dem Gemba Walk arbeiten Sie die Notizen ab und analysieren größere Probleme. Jetzt können passende Veränderungen durchgesetzt werden. Am besten lassen Sie Ihren Gemba Walk zur Routine werden. Dadurch kann ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess gelingen.

Nachbereitung und Ursachenforschung mit dem Gemba Walk

Der Gemba Walk führt schrittweise in die Tiefe und nähert sich detailliert den Schwachpunkten im Herstellungsprozess oder einer Dienstleistung. Sind die Probleme erst identifiziert, können Ineffizienz und Qualitätsmängel der Arbeit im Kern erfasst und auch beseitigt werden – belegt durch Fotodokumentation der festgestellten Mängel als objektiven Nachweis für die spätere Ursachenanalyse. In Sachen Dienstleistung liegen die Probleme im Business-Alltag zum Teil oftmals beim sozialen Austausch. So bspw. bei Schwierigkeiten hinsichtlich der Kommunikation zwischen den Handelspartnern, fehlendem Vertrauen in fachliche Kompetenzen oder mangelnder Wertschätzung.

Der Gemba Walk ist dabei eine bewährte Lean-Management-Methode, die Führungskräfte dazu anhält, sich unmittelbar am Ort der Wertschöpfung über den Status quo zu informieren. Schließlich gilt es, die eigenen Ressourcen so optimal wie möglich auszuschöpfen, um im Wettbewerb nicht nur zu bestehen, sondern die Nase vorn zu haben: Denn beim konkreten Austausch mit den handelnden Personen im Bereich der Fertigung sowie mit den Kunden lassen sich solche Informationen am besten gewinnen.

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Gemeinsamer Dialog für ein perfektes Qualitätsmanagement

Vom Dialog mit allen am Prozess Beteiligten profitiert das gesamte Kommunikationssystem im Unternehmen. Schließlich erfährt auch der an der Maschine tätige Mitarbeiter durch die persönliche Ansprache und die Einbindung in den Prozess eine überaus motivierende Wertschätzung. Gemba Walks und Lean Management sind essenziell für die Unternehmenskultur. Zugleich mündet das interdisziplinär freigelegte Wissen um den detailreichen Aufbau der ineinandergreifenden Arbeitsprozesse i.d.R. in einem regen Austausch aller Beteiligten. Besser für das gesamte Unternehmen, so bleiben kaum Fragen offen. Alle Schritte bis zum Ziel werden gemeinsam gegangen. Mitarbeitende sehen und spüren, dass das Unternehmen professionell und transparent arbeitet – auf allen Business-Ebenen. Dies kann der Startschuss für die Entstehung einer kreativen Ideenbörse innerhalb der Belegschaft sein – zugunsten eines deutlich besseren Workflows als bisher. Gemba Walks eignen sich für Unternehmen jeder Branche.

Go to Gemba!

Das Management vor Ort wird mit Gemba optimiert, den Mitarbeitern wird der Alltag auf der Arbeit erleichtert. Gemba Walk: Der effektive Prozess zur Optimierung der Lean Philosophie im Unternehmen. Führungskräfte können dabei ihr Team motivieren, alle möglichen Fragen direkt beantworten und Schritt für Schritt gemeinsame Ziele aufstellen. Gemba eben! Die Teammitglieder sehen, dass sich Zeit genommen wird, um wichtige Belange von Mitarbeitern umzusetzen. So kann schlummerndes Optimierungspotenzial und die Ursache möglicher Probleme bei der Arbeit detektiert und in der Folge dauerhaft abgestellt werden. Der Gemba Walk ist das ideale Werkzeug des Lean Managements. Eigentlich ganz einfach! Fazit: Go to Gemba!

Häufig gestellte Fragen zum Gemba Walk

Was ist der Unterschied zwischen einem Gemba Walk und einem Audit? +

Ein Audit prüft, ob ein Prozess einem definierten Standard entspricht, und endet typischerweise mit einer Mängelliste. Ein Gemba Walk sucht dagegen Verständnis für den tatsächlichen Arbeitsablauf und endet mit Erkenntnissen statt Bewertungen. Werden beide vermischt – etwa ein Gemba Walk mit Audit-Konsequenzen durchgeführt – verlieren Mitarbeitende das Vertrauen und zeigen nicht mehr die reale Situation, sondern nur die "Vorzeigeversion" ihres Prozesses.

Wie oft und wie lange sollte ein Gemba Walk stattfinden? +

Es gibt keinen allgemeingültigen Standard, aber eine sinnvolle Orientierung liegt bei 15 bis 45 Minuten pro Bereich oder Abteilung. Viele Unternehmen führen wöchentlich einen Gemba Walk pro Abteilung durch. Die konkrete Häufigkeit hängt von Unternehmenszielen, Teamgröße und Führungsebene ab – oberes Management geht seltener, aber dafür bereichsübergreifender, während Teamleiter häufiger und fokussierter unterwegs sind.

Was ist ein Gemba Safety Walk? +

Ein Gemba Safety Walk ist eine Variante, die gezielt den Arbeitsschutz in den Mittelpunkt stellt: Statt allgemeiner Prozesseffizienz stehen Gefahrenquellen, Ergonomie und sicherheitsgerechtes Verhalten im Fokus. Die Grundmethodik – hingehen, beobachten, mit Mitarbeitenden ins Gespräch kommen – bleibt dabei identisch zum klassischen Gemba Walk.

Kann ein Gemba Walk auch remote bzw. virtuell durchgeführt werden? +

Ja, über Videokonferenz lässt sich ein Mitarbeitender bei der Arbeit begleiten – der Bildschirm wird geteilt, der Workflow beobachtet, dieselben offenen Fragen gestellt wie beim physischen Walk. Was dabei verloren geht: Körpersprache, Umgebungsgeräusche und die räumliche Anordnung des Arbeitsplatzes lassen sich remote nur eingeschränkt erfassen.

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