PFMEA (Prozess-FMEA): Ablauf, Beispiel und Vorlage

Kurz erklärt: Die PFMEA (Process Failure Mode and Effects Analysis, auf Deutsch Prozess-FMEA) untersucht einen Fertigungs- oder Montageprozess auf mögliche Fehler, bevor er in Serie läuft. Für jeden Prozessschritt fragt das Team: Was kann schiefgehen, was bedeutet das für Produkt und Kunden, und warum könnte es passieren? Aus den Ergebnissen entstehen Maßnahmen und die Prüfungen im Produktionslenkungsplan.

Was ist eine PFMEA?

Die PFMEA ist die Form der FMEA-Methode, die auf Herstellprozesse schaut: Fertigung, Montage, Prüfung, Verpackung und Logistik. Sie wird erstellt, bevor ein neuer Prozess anläuft, und aktualisiert, wenn sich Prozess, Anlage, Material oder Standort ändern oder wenn Reklamationen neue Fehler zeigen.

In der Automobilindustrie ist sie Pflicht: IATF 16949 verlangt die PFMEA als Teil der Entwicklung des Produktionsprozesses. Viele Kunden schreiben zusätzlich vor, nach welchem Handbuch gearbeitet wird, meist nach dem FMEA-Handbuch von AIAG und VDA (2019).

PFMEA, DFMEA und FMEA: der Unterschied

ArtBetrachtetTypische Fehlerursache
DFMEA (Design-FMEA)Konstruktion von Produkt, Baugruppe, BauteilGeometrie, Werkstoff, Toleranz, Schnittstelle
PFMEA (Prozess-FMEA)Herstellprozess vom Wareneingang bis zum VersandMensch, Maschine, Material, Umfeld im Prozessschritt
FMEA allgemeinOberbegriff für die Methodeje nach Art

DFMEA und PFMEA hängen zusammen. Merkmale, die die DFMEA als besonders wichtig einstuft, werden mit der PFMEA abgestimmt. Die PFMEA zeigt dann, wie der Prozess diese Merkmale sicher einhält.

PFMEA & Checklisten zur Prozessoptimierung

Prüfungen aus PFMEA und Lenkungsplan digital an der Linie durchführen.

firstaudit App zur Digitalisierung von Prüfprozessen

PFMEA & Checklisten

Prüfungen aus PFMEA und Lenkungsplan digital an der Linie durchführen.

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Ablauf: Die 7 Schritte der PFMEA

  1. Planung und Vorbereitung. Welcher Prozess, welche Linie, welches Team, bis wann? Grundlage sind Prozessablaufplan, Zeichnungen, DFMEA und Erfahrungen aus ähnlichen Prozessen.
  2. Strukturanalyse. Der Prozess wird in Schritte zerlegt, jeder Schritt in seine Einflussfaktoren, oft nach 4M: Mensch, Maschine, Material, Umfeld (Milieu).
  3. Funktionsanalyse. Was soll jeder Schritt leisten, etwa „Bauteil lagerichtig bestücken“? Welche Produkt- und Prozessmerkmale gehören dazu?
  4. Fehleranalyse. Pro Schritt entsteht die Fehlerkette: Fehlerfolge beim nächsten Prozess, im Fahrzeug oder beim Endkunden; Fehlerart im Prozessschritt; Fehlerursache in einem der 4M.
  5. Risikoanalyse. Vermeidungsmaßnahmen (z. B. Poka-Yoke, Rüstfreigabe, Wartung) und Entdeckungsmaßnahmen (z. B. 100-Prozent-Prüfung, Stichprobe) eintragen, Bedeutung, Auftreten und Entdeckung bewerten, Aufgabenpriorität bestimmen.
  6. Optimierung. Maßnahmen mit Verantwortlichem und Termin festlegen, nach der Umsetzung neu bewerten und die Wirksamkeit nachweisen.
  7. Ergebnisdokumentation. Ergebnisse und Restrisiken festhalten, an Management und Kunden berichten, in den Produktionslenkungsplan übertragen.

Wie die Bewertung funktioniert und warum die Aufgabenpriorität die Risikoprioritätszahl (RPZ) abgelöst hat, steht mit Rechenbeispiel im Artikel FMEA-Methode.

PFMEA-Beispiel: Leiterplatte bestücken

Ein vereinfachtes, ausgedachtes Beispiel aus der Elektronikfertigung. Ein Elektrolytkondensator muss mit der richtigen Polung auf die Leiterplatte.

FeldEintrag
ProzessschrittSMD-Bestückung, Station 2
Funktion / AnforderungKondensator C12 lagerichtig und mit richtiger Polung bestücken
FehlerfolgeBaugruppe fällt beim Kunden aus, im schlimmsten Fall Bauteilschaden
FehlerartKondensator verpolt bestückt
Fehlerursache (Material)Falsche Bauteilrolle beim Rüsten eingesetzt, Bauteile im Gurt anders ausgerichtet
Vermeidung (aktuell)Rüstanweisung, Kontrolle durch Einrichter
Entdeckung (aktuell)Sichtprüfung als Stichprobe nach dem Löten
Bewertung vorherB 8, A 4, E 7, Aufgabenpriorität hoch
MaßnahmeRüstfreigabe nur nach Barcode-Scan der Rolle (Poka-Yoke); automatische optische Inspektion (AOI) mit Polaritätsprüfung für jede Leiterplatte
Verantwortlich, Termin, WirksamkeitFertigungsplanung; Wirksamkeit über AOI-Auswertung und Rüstprotokolle nachweisen
Bewertung nachherB 8, A 2, E 3, Aufgabenpriorität niedrig

Die Bedeutung bleibt bei 8, weil sich an der Folge nichts ändert, wenn der Fehler doch passiert. Der Barcode-Scan senkt das Auftreten, die AOI verbessert die Entdeckung. Die Aufgabenpriorität ergibt sich aus der Tabelle des AIAG-VDA-Handbuchs. Prüfen Sie Ihre Bewertungen immer nach dem Handbuch oder der Vorgabe Ihres Kunden.

Von der PFMEA zur Prüfung an der Linie

Eine PFMEA wirkt erst, wenn ihre Ergebnisse im Alltag ankommen. Die Entdeckungsmaßnahmen werden deshalb in den Produktionslenkungsplan (Control Plan) übertragen. Dort steht für jedes wichtige Merkmal:

Spalte im LenkungsplanBeispiel aus der PFMEA oben
MerkmalPolarität C12
PrüfmethodeAOI, Polaritätsprüfung
Umfang und Häufigkeit100 Prozent, jede Leiterplatte
VerantwortlichMaschinenbediener Linie 1
ReaktionsplanLinie stoppen, Rolle prüfen, betroffene Baugruppen sperren und nacharbeiten

Ob diese Kontrollen auf allen Schichten eingehalten werden, prüfen viele Werke zusätzlich mit einem Layered Process Audit. Und wenn trotzdem ein Fehler beim Kunden ankommt, fließt die Ursache aus dem 8D-Report zurück in die PFMEA.

Typische Fehler bei der PFMEA

  • Zu spät angefangen. Läuft die Linie schon, lassen sich Vermeidungsmaßnahmen wie Poka-Yoke nur noch teuer nachrüsten.
  • Die PFMEA entsteht am Schreibtisch, ohne Werker, Einrichter und Instandhaltung. Dann fehlen genau die Fehler, die an der Linie wirklich passieren.
  • Bewertungen geschönt: Wer Zahlen so lange anpasst, bis eine Grenze unterschritten ist, versteckt das Risiko.
  • Prüfung statt Vermeidung. Zusätzliche Kontrollen senken nur die Entdeckung. Besser ist, die Ursache zu beseitigen.
  • Keine Pflege. Reklamationen, Prozessänderungen und neue Anlagen fließen nicht zurück, die PFMEA veraltet.
  • PFMEA und Lenkungsplan passen nicht zusammen. Was in der PFMEA als Entdeckung steht, muss auch im Lenkungsplan und an der Linie stehen.

PFMEA-Vorlage zum Download

Für den Einstieg gibt es unsere kostenlose Excel-Vorlage. Sie enthält das Formblatt nach den sieben Schritten mit Spalten für Fehlerkette, Vermeidung und Entdeckung, Auswahllisten für B, A, E und Aufgabenpriorität, eine optionale RPZ-Spalte sowie Felder für Maßnahme, Verantwortung, Termin, Status und Wirksamkeit. Sie ist ein Arbeitsformular zur Orientierung, maßgeblich bleiben das Handbuch und die Vorgaben Ihrer Kunden.

FMEA-Vorlage herunterladen (Excel)

Mehr als 1000 weitere Vorlagen finden Sie unter flowdit.com/de/vorlagen/.

PFMEA-Prüfungen digital durchführen

firstaudit ist keine FMEA-Software. Es hilft beim Schritt danach: Die Prüfungen aus PFMEA und Lenkungsplan, Rüstfreigaben und Prozessaudits laufen als digitale Checkliste auf Smartphone, Tablet oder PC direkt an der Linie. Messwerte, Fotos und Unterschrift sind sofort dokumentiert, und aus den Ergebnissen entstehen Berichte. In den kostenpflichtigen Tarifen legen Sie bei Abweichungen außerdem Maßnahmen mit Verantwortlichem an.

Für einen Nutzer ist firstaudit dauerhaft kostenlos: kostenlos starten oder Termin vereinbaren.

Häufige Fragen zur PFMEA

Was ist eine PFMEA? +

Die PFMEA (Prozess-FMEA) ist eine Teamanalyse, die einen Fertigungs- oder Montageprozess vor dem Serienstart auf mögliche Fehler untersucht. Für jeden Prozessschritt werden Fehlerart, Folge und Ursache bewertet und Maßnahmen festgelegt.

Was ist der Unterschied zwischen PFMEA und DFMEA? +

Die DFMEA prüft die Konstruktion eines Produkts, die PFMEA den Prozess, mit dem es hergestellt wird. Ursachen in der DFMEA liegen im Design, in der PFMEA bei Mensch, Maschine, Material oder Umfeld im Prozessschritt.

Welche 7 Schritte hat die PFMEA? +

Nach dem FMEA-Handbuch von AIAG und VDA: Planung und Vorbereitung, Strukturanalyse, Funktionsanalyse, Fehleranalyse, Risikoanalyse, Optimierung und Ergebnisdokumentation.

Wann muss eine PFMEA erstellt oder aktualisiert werden? +

Vor dem Anlauf eines neuen Prozesses und immer dann, wenn sich Prozess, Anlage, Material, Lieferant oder Standort ändern. Auch Reklamationen und interne Fehler sind ein Anlass zur Aktualisierung.

Wer erstellt die PFMEA? +

Ein Team aus Fertigungsplanung, Qualität, Produktion, Instandhaltung und den Leuten, die den Prozess täglich fahren, geleitet von einer geschulten Moderation. Bei Bedarf kommen Entwicklung und Lieferanten dazu.

Was hat die PFMEA mit dem Produktionslenkungsplan zu tun? +

Die PFMEA zeigt, welche Merkmale und Ursachen kritisch sind. Der Produktionslenkungsplan legt fest, wie diese Merkmale in der Serie geprüft werden: Methode, Umfang, Häufigkeit, Verantwortung und Reaktion bei Abweichung. Beide müssen zueinander passen.

Gibt es eine kostenlose PFMEA-Vorlage? +

Ja. firstaudit bietet eine kostenlose Excel-Vorlage mit Formblatt nach den sieben Schritten, Auswahllisten für die Bewertung und einem ausgefüllten Beispiel. Sie ist ein Arbeitsformular zur Orientierung.


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